Als begeisterter Rosanero-Fan und stolzer Besucher eines historischen Stadions, waren David und ich neulich Zeuge einer aufregenden Erfahrung. Was als freudiger Spieltag geplant war, endete in einer wahren Offenbarung, dank eines unaufhörlich triefenden Tribünendachs, das sich über unsere Sitzplätze erstreckte.
Das Stadio Renzo Barbera, ein Symbol der Fußballkultur und ein Ort unzähliger epischer Momente, sollte mit seinen 36.349 Plätzen auch einen gewissen Schutz vor den Launen der Natur bieten. Doch anstatt uns vor Regen zu bewahren, verwandelte sich das Tribünendach unserer Heimspielstätte, benannt nach einem früheren Präsidenten des FC Palermo, in eine undichte Barriere, die unaufhörlich Wassertropfen auf uns herabfallen ließ.
Wenn man bedenkt, dass wir um unsere Sitzplätze kurz vor Spielbeginn noch kämpfen mussten, weil eine unverschämte Edeldame mittleren Alters in einem Kauderwelsch zwischen sizilianischem Dialekt und italienischer Sprache felsenfest behauptete, dass es sich um ihre Sitzplätze handeln würde, auf denen wir gerade Platz genommen hatten. Nachdem sie uns androhte den Ordner zu rufen, ging sie von dannen, ohne sich ihre Enttäuschung anmerken zu lassen, es nicht geschafft zu haben, uns einzuschüchtern und wegzuscheuchen.
So begann das Spiel und mit dem Anstosspfiff fing es auch rechtzeitig an zu regnen. Es ist absurd anzunehmen, dass ein so geschichtsträchtiges Stadion dem witterungsbedingten Zufall überlassen wird. Während wir versuchten, uns auf das Spiel zu konzentrieren, wurden wir ständig von Regentropfen gestört, die von oben auf unsere Köpfe herabfielen. Das unangenehme Gefühl von Feuchtigkeit und Kälte ließ uns teilweise den eigentlichen Sinn des Besuchs vergessen und führte stattdessen zu einer endlosen Schlacht gegen das unerbittliche Element.
Es war die Offenbarung des Renzo Barbera an uns.
Die Rosanero verloren am Ende unverdient mit 0:1 und mit nassen Haaren ließen wir die ganzen Eindrücke der Partie auf uns einwirken. Als wir Richtung Ausgang schlenderten, stellten wir fest, dass alle anderen Tribünensitzplätze trocken waren. Wie konnte es sein, dass es ausgerechnet uns passieren sollte, Tickets für die mangelhaften Plätze in Sektor D01 Reihe 8 Sitz 31 und 32 gekauft zu haben, nachdem wir über 2.000 km Anreise auf uns genommen hatten? Hierfür gibt es nur eine Erklärung: Es war die Offenbarung des Renzo Barbera an uns. Das Stadion hatte es für uns so vorbestimmt, weil es wusste, dass wir ihm eine Stimme geben und darüber in unserem Blog berichten würden.
Die Tatsache, dass dieses Tribünendach in einem Zustand der Vernachlässigung verharrt, ist inakzeptabel. Es ist eine Beleidigung für diejenigen, die das Stadion besuchen, um die Leidenschaft und die Energie des Fußballs zu erleben. Es ist eine Blamage für die Erinnerungen und Legenden, die in den Mauern dieses historischen Ortes eingebettet sind.
Höchste Zeit, dass die Verantwortlichen aufwachen und Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass das Tribünendach seinen eigentlichen Zweck erfüllt: Schutz und Komfort für die Fans. Es darf nicht sein, dass diejenigen, die das Spiel unterstützen und lieben, der Gnade des Regens ausgeliefert werden.
Wir verdienen ein Stadion, das seinem Erbe gerecht wird und uns bei schlechten Witterungsbedingungen schützt. Es ist an der Zeit, dass Veränderungen vorgenommen werden, bevor noch mehr Spieltage durch undichte Stellen ruiniert werden.
Und so fuhren wir mit vollem Magen auf unserem E-Roller zurück in die Altstadt Palermos, in der festen Überzeugung vom Renzo-Barbera-Stadion höchstpersönlich gesegnet worden zu sein.
Nachdem wir das Stadion verließen, wurden wir nach dem Spiel nicht unweit vom Renzo von einem freundlichen Panelle-Stand empfangen. Die Panelle-Brötchen waren köstlich und üppig mit fettigen Panellescheiben belegt. Es fühlte sich wie eine anschließende Belohnung an, all die Strapazen des 90-minütigen Regenereignisses auf uns genommen zu haben. Und so fuhren wir mit vollem Magen auf unserem E-Roller zurück in die Altstadt Palermos, in der festen Überzeugung vom Stadio Renzo Barbera höchstpersönlich gesegnet worden zu sein.


